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Malerfamilie Zeiller


Paul Zeiller


Werk von Paul Zeiller

Kreuzigungsszene von Paul Zeiller in der Pfarrkirche Tannheim
Paul Zeiller (* 21. August 1658; † 19. August 1738) begann 1692 mit dem Betrieb einer Werkstätte in Reutte, welche sich später zu einer Malschule entwickelte. Der Begründer der Reuttener Linie der Zeiller war Pauls Vater Christoph Zeiller, Saltzfactor zue Reite, Zoller zue Binswang und Stadlmaister zue Leermos. Paul Zeiller kam als fünftes von neun Kindern des Christoph Zeiller (* 1627) in Reutte zur Welt. Dank des elterlichen Vermögens war es Paul möglich eine höhere Schule zu besuchen, nach deren Besuch er sich nach Florenz an den Hof der Medici begab. Eine folgenschwere Begegnung mit dem Hofmaler Livio Mehus (1630–1691) erweckte in Paul bald den Wunsch zu malen. Er setzte seinen Wunsch in die Tat um und ging vollkommen in der Malerei auf, woraufhin er häufig Reisen unternahm und etwa in Augsburg als auch in Rom tätig war. Gerade in Rom hielt er sich auch längere Zeit auf. Erst als seine Mutter im Sterben lag, kehrte Paul in seine Heimat zurück (1692). Schon bald nach seiner Rückkehr vermählte er sich in Breitenwang mit der Regina Jäger. Das Glück währte jedoch nur kurz, da Regina kurz nach der Entbindung des dritten Kindes am 14. Mai 1698 verstarb.

Die Umstände zwangen den Witwer mit drei kleinen Kindern, rasch eine neue Ehe zu schließen und schon am 24. November 1698 verheiratete er sich zum zweiten Mal, diesmal mit Anna Kurz. Am 26. September 1699 kam die kleine Anna Maria zur Welt, die spätere Ehefrau des Malers Balthasar Riepp. Aus dieser zweiten Ehe gingen fünf weitere Kinder hervor, darunter auch Johann Jakob (* 8. Juli 1708), welcher als einziger von den Söhnen den Hang Paul Zeillers zur Malerei teilte. Ab 1710 bekleidet Paul Zeiller zudem das Amt des Bürgermeisters von Reutte. Nach Pauls Tod 1738 führte sein Schwiegersohn Johann Balthasar Riepp die Werkstatt weiter, in welcher unter anderem schon Pauls Sohn Johann Jakob Zeiller (1708–1783) und sein entfernter Verwandter Franz Anton Zeiller (1716–1794) ihren ersten Zeichen- und Malunterricht erhielten.


Johann Jakob Zeiller


Johann Jakob Zeiller - Selbstportrait

Selbstportrait des Johann Jakob Zeiller
Johann Jakob Zeiller (* 8. Juli 1708; † 8. Juli 1783) verfolgte als einziger Nachkomme Paul Zeillers das Interesse zur Malerei und erhielt bereits als Knabe in der Reuttener Tafelmalerschule von seinem Vater Unterricht. "In seinen Methoden nicht immer zimperlich, soll ihn der Vater, damit der Junge von der begonnenen Arbeit nicht abgelenkt würde, am Zeichentisch festgebunden haben." Nach dem Beginn der Lehrzeit 1723 studierte der ungemein wissbegierige und lerneifrige Johann Jakob zunächst in Rom und später in Neapel. Zur selben Zeit hielt sich auch Balthasar Riepp in Rom auf, wo sich mit großer Wahrscheinlichkeit die erste Begegnung ergab und Riepp in Folge im Haus der Zeiller vorstellig wurde. Nach Beendigung der Lehrzeit zog Johann Jakob nach Wien, wo er ab 1733 als Mitarbeiter des Meisters Paul Troger tätig war. Parallel dazu besuchte Zeiller die Kunstakedemie in Wien. In Wien forschte er aber auch in zahlreichen Bildern, Barockkirchen und Adelspalästen nach verschiedenen künstlerischen Strömungen italienischer Barockkunst, um so wichtige Anregungen für sein eigenes Schaffen gewinnen zu können.

Auch an Wettbewerben nahm Johann Jakob teil und gewann dabei zwei erste Preise. Damit wurde Zeiller Mitglied der Akademie und durfte selbständig in Österreich und darüber hinaus im Reich arbeiten. Die erste selbständige Arbeit stellen die Fresken der Schlosskapelle Rosenau bei Zwettl dar, welche er 1738 verfertigte. Den ersten Großauftrag erhielt Johann Jakob in Form der Freskierung der neuerbauten Zisterzienserstiftskirche in Fürstenzell, wo er auch mit dem großen bayerischen Barockbaumeister Johann Micheal Fischer zusammentraf und aus deren gemeinsamer Arbeit noch viele weitere Werke Zeillers im bayerischen Raum entstanden ("Kunstlandschaft Ostbayerischer Klosterwinkel"). Es folgte das wohl größte barocke Kuppelfresko (ca.1300m²) über der Rotunde der Klosterkirche von Ettal. Als begehrter Freskomaler war er in der Folgezeit vorwiegend im süddeutschen Raum tätig und verlegte daher seinen Wohnsitz um 1755 zurück nach Reutte. Dort übernahm er die Werkstätte seines Vaters im sogenannten "Zeillerhaus", die zwischenzeitlich von seinem Schwager Balthasar Riepp geleitet wurde.


Franz Anton Zeiller


Franz Anton Zeiller - Selbstportrait

Selbstportrait des Franz Anton Zeiller (1760)
Franz Anton Zeiller (* 18. April 1716; † 4. März 1794) stammte aus einer Seitenlinie der Zeiller, dessen Vorfahren waren allesamt im Salzhandel tätig. Da seine Eltern, der Vater Johannes Zeiller und die Mutter Ursula (geborene Schuster), sehr früh verstorben waren, nahm dessen Onkel Paul Zeiller den kleinen Franz Anton wie sein eigenes Kind in seine Familie auf. Schon bald bemerkte der Ziehvater die Begabung des Buben und bildete ihn in seiner Werkstatt und Malschule zum Maler aus. Nach dem Ableben Paul Zeillers wandte sich Balthasar Riepp der Ausbildung des Jungen zu. Auch Franz Anton verließ vorerst seinen Heimatort Reutte, er wanderte unter anderem nach Augsburg. Ab 1738 arbeitete Franz Anton dort als Gehilfe des Tiroler Malers Johann Evangelist Holzer. Holzer starb jedoch schon nach nur einem Jahr der Zusammenarbeit und so setzte Franz Anton seine Ausbildung bei Gottfried Bernhard Göz fort. Bei ihm verbrachte Franz Anton mehrere Jahre um später in Italien seine Studien zu vollenden.

Seine italienische Studienzeit führte Franz Anton Zeiller nach Rom, Venedig und Bologna, wo er Meister wie Tizian, Sebastiano Ricci und andere traf um deren Werke zu studieren und teils zu kopieren. Seinen ersten eigenen Auftrag bekam Franz Anton Zeiller 1751 im Benediktinerstift St. Mang in Füssen. Es war der Abt Gallus Zeiller, ein entfernter Verwandter, der ihm die Bemalung der Decke in der Magnuskapelle übertrug. 1753 folgte die Freskierung und das Hochaltarbild der Pfarrkirche St. Martin von Sachsenried. Es folgte eine Zeit des gemeinsamen Schaffens mit seinem Cousin Johann Jakob Zeiller, bei der die Decken- und Kuppelfresken in der Stiftskirche von Ottobeuren entstanden.

Es sollten noch viele weitere Werke im süddeutschen Raum folgen, bevor er sich Nach Tirol aufmachte um dort etwa ein Fresko und zwei Altarbilder in Stams zu schaffen. 1765 verlegte Franz Anton sein Wirken nach Südtirol um dort für zehn Jahre zu verbleiben. Erst um 1775 kehrte er wieder nach Nordtirol zurück um sich in Innsbruck niederzulassen. Ein Großauftrag führte in für zwei Jahre nach Zell am Ziller, wo er Fresken und mehrere Altarbilder schuf. 1783 rief man ihn nach Matrei in Osttirol, nach Beendigung dieser Arbeiten kehrte er jedoch endgültig in die Heimat nach Reutte zurück. Doch legte er sich keinesfalls auf das Altenteil, sondern schwang auch im hohen Alter noch den Pinsel. 1786 etwa malte er die Fresken der Pfarrkirche in Wängle und 1791 bat man ihn die St. Wendelinkirche in Grän auszugestalten. Am 4. März 1794 endete dieses arbeitsreiche Leben jedoch und Franz Anton Zeiller verstarb an der "Herz-Wassersucht" in Reutte.





Literatur und Quellen








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