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Weißenbach


Region: Reutte Umgebung


erste urkundliche Erwähnung: 1200 - Wizibach
Fläche: 81,84km²
Höhe: 885m
Ortsteile: Gaicht, Oberhof, Sommer, Siedlung



der Ort Weißenbach am Lech mit den Tannheimer Bergen und der Gaichtspitze im Vordergrund

Spätrömische Zivilbevölkerung?


Bei Grabungsarbeiten wird im September 1948 in Weißenbach ein menschliches Skelett sowie ein als Importgut aus dem schweizerischen Graubünden eingeführtes Lavezgefäß (Lavez = Speckstein) entdeckt. Späteren Untersuchungen zufolge stammt dieser Bestattungsfund aus dem Zeitraum zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert n. Chr.

Ersten Erkenntnissen nach handelte es sich dabei um eine Person aus der Zivilbevölkerung. Es gab aber keine weiteren Funde, die eine zunächst angenommene römerzeitliche Siedlung im Bereich des Oberhofes bestätigt hätten.

Lavezgefäß des 4. od. 5. Jahrhunderts
als Beigabe in einer spätrömischen
Grabstätte in Weißenbach
Eine eingehende anthropologische Untersuchung mit Vergleichen zu der Tiroler Bevölkerung der späten Kaiserzeit lässt aber den Schluss zu, dass es sich hierbei um einen etwa 30-jährigen Mann aus der einfachen, jedoch dort ansässigen Bevölkerung gehandelt hatte.

Einfluss des Klosters St. Mang


Auf eine mögliche Siedlungskontinuität im Bereich des vorgenannten Oberhofes deutet auch der Umstand hin, dass es sich bei diesem Oberhof ursprünglich um einen Gutshof des Klosters St. Mang gehandelt haben dürfte.

Zur Zeit der Salzstraße


Mit der Erbauung der Lechbrücke 1464 wurde auch der Ort Weißenbach von dem Aufschwung des Rodfuhrwesens erfasst. Zuvor wurden Handelsgüter in kleinem Umfang über die Trift bei Ehenbichl über Höfen nach Weißenbach transportiert. Mit dem Brückenbau bei Lechaschau vervielfachte sich der Warenstrom und ganz besonders die Salzfuhren nahmen extrem zu. Da die bis spätestens 1550 angelegte Straße über den (alten) Gaichtpass auch öfter durch Wetterkapriolen unfahrbar wurde und die Gespanne mit den Warenladungen im Freien auf die Fahrbarmachung des Weges warten mussten, entschloss man sich einen sogenannten Wetterstadel im Ort zu errichten.

Eine Umfahrung des Ortes, ab dem Gächtle ansteigend nördlich nach Untergaicht, war geplant. Die Weißenbacher aber konnten diese Forderung erfolgreich abwehren, sie wollten nicht umgangen und somit um ihren Anteil des Gewinnes durch die Salzstraße gebracht werden.

Flößerei, Trift und die alte Johannisbrücke


Im Jahr 1751 wird bei Weißenbach eine 'Schoßfahrt mit Flauder und abhaltender Winterbruggen' urkundlich erwähnt. Die Lechtaler konnten hier also - selbstredend gegen Entrichtung einer Gebühr - mittels Floß über den Lech übersetzen.

Den Vorgängerbau der heutigen Johannesbrücke zwischen Weißenbach und Forchach hatte man vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts südlich des Ortes, etwa einen halben Kilometer oberhalb der Einmündung des Weißenbaches, errichtet. Die Brücke hatte zwei Hochwasser überstanden, wurde dann aber in den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkrieges von deutschen Truppen niedergebrannt.

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