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Parseierspitze


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Parseierspitze
   das Gipfelkreuz der Parseierspitze - © Alpineblau

Anspruch

T6 - schwieriges Alpinwandern
Charakter
Meist weglos. Kletterstellen bis II. (mäßige Schwierigkeit) Häufig sehr exponiert. Heikles Schrofengelände. Apere Gletscher mit erhöhter Ausrutschgefahr. Meist nicht markiert
Anforderung
Ausgezeichnetes Orientierungsvermögen. Ausgereifte Alpinerfahrung und Vertrautheit im Umgang mit alpintechischen Hilfsmitteln

Gruppe
Lechtaler Alpen
Höhe
3036 m
Hütte(n)
Memminger Hütte, Augsburger Hütte
Talort(e)
Bach (Madau), Grins

 



KOORDINATEN   47.17428 • 10.47828 | WETTER | WEBCAMS | TOURENKARTE | ANFAHRT (GoogleMaps)


T O U R E N I N F O




Die Parseierspitze (Georg Hofmann, München; 1875)

Am 14. September 1875 von der Mädelegabel herab nach Holzgau im Lechtal gelangt, gingen wir Nachmittags nach Elbigenalp, in der Absicht, einen Führer auf die Parseierspitze ausfindig zu machen. Im Lechtal ist dieser Name unbekannt, der Büchsenmacher von Elbigenalp, ein alter Bergkenner, nannte sie den Hinteren Seekogel. Schließlich wurde uns ein gewisser Anselm Klotz in Stockach als Führer empfohlen, er gilt als verwegener Schütz und ausgezeichneter Bergsteiger.
Stockach liegt 1¼ Stunde oberhalb Elbigenalp, 10 Minuten von Lend entfernt; dort erfragten wir die Behausung des Gesuchten, der auch alsbald erschien; er ist ein mittelgroßer Mann, nicht corpulent, aber die muskulöse und behende Gestalt erweckt sofort Vertrauen.

Auch er kannte die Parseierspitze nicht, versicherte aber, dass er im hintersten Parseiertal schon gejagt habe und gern bereit sei, uns als Führer zu begleiten. Der Führerlohn wurde auf 5 fl., der Aufbruch auf den andern Nachmittag festgesetzt, die Seeleinalpe als Nachtquartier bestimmt.

Angelegentlich erkundigte sich Klotz nach dem Zustand meiner Steigeisen, meinem Gefährten probierte er einige von den seinen an; seine Aufmerksamkeit machte einen sehr guten Eindruck, wir schieden von ihm in der festen Zuversicht, den rechten Mann gefunden zu haben.
Anselm Klotz und Joseph Frey

Anselm Klotz (li.) und Joseph Frey - © gemeinfrei (Charly Winkler)
Am 15. September Nachmittags verließen wir Lend, mit Seil, Eisen und dem Nötigen wohl versehen. Den Lendbach zur Linken geht es über Wiesen mäßig ansteigend zum eigentlichen Taleingang, dann auf gutem Alpenweg weiter. Im Hintergrund erscheinen der Vordere und Mittlere Seekogel, zur rechten an einigen Punkten die Wetterspitze mit dem Fallbachferner. Man gelangt bald zur Abzweigung des Alperschoner Tals, welches hier rechts (westlich) abbiegt und betritt nun eine weite Talmulde, die Mahdau. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts war dieser abgelegene Winkel bewohnt; die sechs Bauernhöfe stehen noch, aber sie dienen nur mehr zur Zeit der Heuernte den Mähern als Unterkunft.

Erst weiter einwärts heißt dieser Talast Parseiertal, am Vorderen Seekogel zweigt links das Röttal ab, ein Übergang führt aus demselben an der Hengstspitze ins Patrioltal und nach Zams am Inn; auch aus den verschiedenen Karen zwischen den Seekogeln führen schwierige Übergänge in's Matrioltal sowohl als in's Patrioltal; das Parseiertal zieht nun direkt südlich. Durch Nadelwald erreicht man bald die rauchgeschwärzte Hütte der Seeleinalpe (3 leichte Stunden von Lend.)
Die nicht mehr jugendliche Bewohnerin empfing uns mit lebhaften Gestikulationen; der Gestalt und Hautfarbe nach hätte man sie für eine Indianerin halten können, nur die riesige Tabakpfeife verrät die echte Tiroler Sennerin, diese ihre Gewohnheit entschuldigt sie damit, dass sie oft Wochenlang keinen Menschen zu Gesicht bekäme, dann ist in den einsamen Stunden die Pfeife ihre einzige Freude.

Den Rest des Nachmittags verbrachten wir im Freien, die hübsche Ansicht genießend; im Hintergrund erscheint der Nordabsturz der Parseierspitze mit einem kleinen Ferner, der größere Tavinferner ist nicht sichtbar, auch glaube ich, dass hier der höchste Gipfel der Parseierspitze nicht zu erblicken ist.
Ein Gemsbock, der am Gehäng des Seekogels erschien, machte Klotz viel zu schaffen, am liebsten wäre er wieder nach Hause gelaufen, seine Büchse zu holen; morgen, meinte er, müsste der Bock seine sichere Beute sein.

Ziemlich spät trennten wir uns, die fast empfindlich kühle Nacht versprach gutes Wetter; Klotz blieb in der Hütte, wir beide bezogen einen nahen Heustadel; früh 4 Uhr 45 verließen wir die Hütte und ihre urwüchsige Bewohnerin. Über Wiesen, dann im Geröllbett des Parseierbaches erreicht man das Parseirer Wäldl, durch das ein schmaler Steig führt; zur linken erheben sich immer noch der Vordere und Mittlere Seekogel, rechts die Freispitze, welche im Lechtal gleich der Parseierspitze für unersteiglich galt, bis sie Klotz vor einigen Jahren erstieg.

Um 6 Uhr 30 erreichten wir die am Schluss des Parseiertals gelegene Schaflerhütte, gerne hätten wir sie als Nachtquartier benutzt, doch sie ist unbewohnbar. Wohl wäre mit der Zeit die Erbauung einer Schutzhütte an diesem Punkt ins Auge zu fassen, sie würde die Ersteigung der umliegenden Gipfel, insbesondere der Parseierspitze, sowie für mehrere Übergänge gute Dienste leisten. Dieser innerste Boden von Parseier ist eine mit spärlichem Gras bewachsene, von den Wänden des Seekogels, dem Nordwest-Absturz der Parseierspitze und der Eisenspitze umrahmte Talweitung. Ein Übergang, das Schafschartl, führt hier hinüber ins Patrioltal und nach Zams, ein anderer nach Grins im Stanzertal.

Schroff und unnahbar präsentieren sich die Wände der Parseierspitze, zu ihrer rechten zeigt sich ein Sattel, der ersteigbar scheint, und von dem man auf den jenseitigen Tavinferner zu gelangen glaubt. Etwas rechts von diesem Sattel zieht ein kleiner Hängegletscher mit blau schimmernden Klüften herab, eine nicht unbedeutende Wassermasse entrinnt demselben und stürzt durch kleine Klammen und über Felswände zur Tiefe. Weiter als bis hierher war Klotz bei seinen Gemsjagden nicht gekommen, seine Terrainkenntniss war zu Ende.
Nach kurzer Überlegung beschlossen wir, in nächster Nähe jenes Wassersturzes an den linksseitigen Wänden emporzusteigen, um die Höhe des Gletschers und dann den Sattel zu gewinnen; das Betreten des Gletschers selbst schien wegen seiner Steilheit und der Klüfte halber nicht ratsam. Wir schnallten die Eisen an und begannen etwa um 7 Uhr den Anstieg; ziemlich mühsam über grobes Geröll, dann durch jene Wasserrunse steigend, gelangten wir an die linksseitige Felswand, das Gestein war brüchig, der Anstieg nicht ohne Gefahr, schließlich sahen wir uns bei der zunehmenden Steilheit der Felsen genötigt, uns gegen den Gletscher zu wenden, stiegen jedoch ohne ihn selbst zu betreten, wieder aufwärts und standen nach vielen Mühen endlich unter dem sicher über 9000 Fuß hohen Kamm, der von der Spitze westlich zieht.

Nun klettert Klotz zu einer engen Scharte in diesem empor, einen Übergang auf den Tavinferner zu erspähen, bald kehrt er zurück, den Tavinferner hat er gesehen, aber den Abstieg auf denselben hält er für unmöglich. Wieder steigen wir nach rechts abwärts und erreichen, endlich über grobes Geröll mühsam wieder empor kletternd, um 12 Uhr den mehr erwähnten Sattel; unter uns liegt ein mäßig ausgedehntes Firnfeld, das wir für den Tavinferner hielten; frei schweift der Blick bereits nach Süden und hinab ins Inntal, ein großartiges Bild.

Mühelos steigen wir zum Firnfeld hinab und erreichen, einen von der Spitze südlich herabkommenden Felsgrat umgehend, endlich zu unserer nicht geringen Freude den eigentlichen Tavinferner. Ohne besondere Steigung zieht er zum imposanten Felsgerüst der Parseierspitze empor, zweifelnd sucht man an diesen prallen Wänden und gezackten Graten nach der Möglichkeit eines Aufstieges.
An einer lehmigen Zunge geht es etwas abwärts auf den Ferner, wir überqueren ihn in östlicher Richtung, einige Klüfte sind kein Hindernis, um 12 Uhr 45 stehen wir auf dem Sattel im Osten der Spitze, welcher den Tavinferner vom Patrioltal scheidet.

Von hier aus erst haben wir ungefähr dieselbe Richtung zu verfolgen, welche bei den drei oder vier früher unternommenen Ersteigungen, welche Grins zum Ausgangspunkt nehmen, eingeschlagen wurde.
Ein sehr steiler, gezackter Grat zieht zum Gipfel empor. Hier blieb mein Gefährte zurück, der sich ermüdet fühlte. Alles überflüssige bei ihm zurücklassend, begann ich mit Klotz den Anstieg; auf der Seite gegen den Ferner betreten wir die Felsen und erreichen den Grat, aber ihm zu folgen wird alsbald unmöglich, wir werden bald auf diese, bald auf jene Seite gedrängt, nur Fußbreit ist oft unsere Basis, wohl 2000 Fuß tief fallen die Wände ins Patrioltal ab; manches scheinbar unüberwindliche Hindernis tritt uns entgegen, aber immer siegt die Gewandtheit und Unerschrockenheit des Klotz, wir gelangen an das oberste Massiv, auch hier noch erfordern einzelne Tritte über Schneeflecke und übereiste Felsen die größte Vorsicht; noch einmal gehen wir an die Südseite über, wo uns ein stattlicher Busch Edelraute überrascht, endlich um 2 Uhr 15, 9½ Stunden nach dem Abgang von der Seeleinalpe, ist die erhabene Zinne erreicht.
Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins - 1877





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