European Outdoor Film Tour 2019/20
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Großer Daumen


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Großer Daumen
das Gipfelkreuz am Großen Daumen mit Blick gegen Nordosten

Schwierigkeitsgrad




T2-3 - anspruchsvolles Bergwandern


Charakter
Weg am Boden nicht unbedingt durchgehend sichtbar. Ausgesetzte Stellen können mit Seilen oder Ketten gesichert sein. Eventuell braucht man die Hände für die Unterstützung des Gleichgewichtes. Zum Teil exponierte Stellen mit Absturzgefahr, Geröllflächen, weglose Schrofen
Anforderung
Gute Trittsicherheit notwendig. Gute Trekkingschuhe. Durchschnittliches Orientierungsvermögen. Elementare alpine Erfahrung



Gruppe
Allgäuer Alpen
Höhe
2280 m
Hütte(n)
keine od. saisonal nicht bewirtschaftet
Talort(e)
Hinterstein

     


T O U R E N I N F O



Die Namensgebung des Bergmassivs hat wohl wenig mit dem Daumen als Finger zu tun. Thaddäus Steiner knüpft in seinem Werk Allgäuer Bergnamen daher an die etymologische Bedeutung an, wonach sich dabei "der Dicke bzw. der Geschwollene" ergibt. Durch die Behäbigkeit und Breite des Daumenmassivs klingt diese Ableitung durchaus plausibel.



Auf den Daumen (A. Waltenberger, 1869)

Der Daumen bietet unter den Bergen des in Hinsicht auf seine mannigfache Schönheit noch zu wenig gewürdigten Allgäu, besonders für solche Touristen, die mit verhältnismäßig geringer Mühe und in kurzer Zeit einen schönen Einblick in die Allgäuer Hochgebirgswelt genießen wollen, eine sehr lohnende Partie. Weniger durch bedeutende Höhe, als durch Schönheit der Formen, durch günstige Stellung nahezu im Mittelpunkt des südlichen Allgäu und durch die schönen, grünen Alpen, mit welchen seine ganze Ostseite bedeckt ist, ausgezeichnet, verdient dieser Gebirgsstock mehr besucht zu werden, als dies bisher geschehen ist.

Allerdings mag manchen, der ungewohnte Entbehrungen scheut und ein bequemes Nachtquartier nicht gerne vermisst, das schlechte Nachtlager, zu dem er sich auf den obersten Hütten bequemen muss, von der Besteigung des Daumen abgehalten haben, und es würde dieser Gipfel sicher mehr besucht werden, wenn in der Hütte, die sich unter dem Gipfel am sogenannten Engeratsgunder See befindet, für ein leidliches Nachtlager gesorgt wäre...

...Die Besteigung des Daumen kann von verschiedenen Seiten unternommen werden. Entweder von Oberstdorf aus über den sogenannten Zeiger, dann auf zwei verschiedenen Wegen vom Hintersteinertal aus, oder auch durch das Retterschwangtal über die Haseneckalpen. Der letztere Weg ist, wenn auch nicht gefährlich, doch für Ungeübte mühsam. Die Besteigungen vom Hintersteiner Tal können als bequem denen empfohlen werden, die von Hindelang aus eine Bergtour machen wollen. Man geht nämlich entweder über die Nickenalpen oder über die Laufbichlalpe, doch lassen sich beide Wege auch leicht genussreich verbinden.

Von Hindelang kann man in einem Tag auf den Gipfel und wieder zurück gelangen, doch ist es ratsamer, noch abends auf die oberste Hütte zu steigen und am folgenden Tag den Gipfel zu erklimmen.

Wir brachen Nachmittags nach 4 Uhr von dem, im stillen Hintersteiner Tal gelegenen, langgestreckten Ort Hinterstein bei bedeutender Hitze auf und wanderten, die unter dem Dorfe über die Ostrach führende Brücke passierend, dem bewaldeten Vorsprunge zu, der den Ausläufer eines Felsgrats bildet, welcher sich vom Kleinen Daumen aus gegen das Ostrachtal erstreckt. Dieser Grat, der in Hinterstein durch seine ausgezackten Felsbildungen das Auge fesselt, heißt das "Pfannenhölzl".

Vom Kleinen Daumen, der in Hinterstein sichtbar ist, zweigt sich ein weiterer Dolomitast ab, dessen bedeutendste Felsenkuppe der "Hengst" genannt wird; dieser Ast umschließt mit dem Pfannenhölzl ein muldenförmiges vom Tosenbach durchschnittenes Hochtal, in welchem die 3 Hütten der Nickenalpe liegen. Weiter oben betritt man Weideboden, der zur Möslealpe gehört und nach einigem weiteren Aufwärtssteigen ist die Sennhütte derselben sichtbar. Von der Hütte aus zieht sich der Weg zur unteren Hütte der Nickenalpe, bei der mittleren wird der Tosenbach überschritten und von dort auf gut kenntlichem Pfad unter den zerrissenen Wänden des "Hengst" zur oberen Hütte.

Mit Missvergnügen bemerkten wir am bisher reinen Himmel die Schrecken aller Bergsteiger, nämlich zahlreiche Wolken aufsteigen. Unsere Hoffnung auf eine reine Aussicht wurde noch bedeutender herabgestimmt, durch die Prophezeiung eines Mannes, der uns beim Weitersteigen begegnete und sich als der Hochvogelführer Vinzenz aus Hinterstein entpuppte. Er meinte auf unser Befragen nach dem Wetter, es müsse bald Regen kommen, denn gegen die "Schwyz" hin sei alles überzogen und auf dem Hochvogel, wohin er zwei "Kempta Herra" geführt; habe er deutlich das Aufsteigen der Regenwolken beobachten können.

Nachdem wir innerlich den Vinzenz und seine Prophezeiungen verwünscht hatten, stiegen wir weiter zur sogenannten "Thüre" empor. Mit diesem Namen wird sehr passend eine schmale Lücke in dem zum Hengst streichenden Felsgrat bezeichnet, welche zum Engeratsgunder See führt. Der Anblick, welcher sich bei der "Thüre" plötzlich darbietet, ist überraschend. Zur Linken erblickt man das gewaltige Felsenhaupt des bisher nicht sichtbaren Großen Daumen, das sich in dem in wilder Umgebung, einige hundert Fuß unter dem Standpunkt des Beschauers gelegenen Engeratsgunder Sees spiegelt.

Wir stiegen von der Thüre zu der am See gelegenen gleichsam in die Erde gebauten Gundleshütte hinab. Während der Hirt mittels Brettern einen improvisierten Tisch und Sitze herstellte, verzehrten wir trotz der Schwyzerwolken in bester Laune unser kaltes Nachtmahl. Nach Erzählung des Hirten soll sich im See eine treffliche Forellenart finden, die er aber nicht zu fangen verstehe, da er den "rechten Zuig" nicht dazu habe. Das glaubten wir ihm gerne, als er uns als Angelgerät einen Strick, dick wie eine Peitschenschnur vorzeigte, an dessen Ende ein in Hakenform gebogener Drahtnagel gebunden war.

Wir erkundigten uns über früher ausgeführte Daumenbesteigungen, und es wurde uns erzählt, dass der "Dumma", wie der Hirt ihn nannte, wohl hie und da bestiegen werde und da oben schon öfters "Herra" geschlafen haben. Mit dem "da oben" bezeichnete er uns 4 oder 5 schmale Bretter, die ober unseren Häuptern quer von einem Dachbalken zum anderen gelegt und mit etwas Heu bedeckt waren. Ich bemaß für mich in Gedanken die Höhe, in welcher dieses schwankende Bett über dem Boden angebracht war, und brachte schließlich heraus, dass man bei einem sehr in der Möglichkeit liegenden Herabfallen sich gerade nicht das Genick, sondern glücklicher Weise nur einen Arm oder Fuß brechen könne.

Von diesen tröstlichen Gedanken schien auch mein Freund erfüllt zu sein, denn er fragte den Hirten, ob man nicht in einem Winkel des Stalles ein Heulager herrichten könnte. Der Hirt, welcher unsere Besorgnis für die Erhaltung unseres Knochensystems erraten haben mochte, versicherte, es wäre da oben ganz sicher und auch nicht so kalt und schmutzig, wie auf dem Boden der Hütte. Auch habe er, um die Festigkeit der Bretter zu erproben, bei Anlage seiner Liegestatt sich auf die, allerdings biegsamen Bretter gelegt und nach Leibeskräften zu schaukeln angefangen, es sei aber keines gebrochen und herabfallen könne man auch nicht wohl, wenn man sich hübsch ruhig verhalte.

Am frühen Morgen weckte uns der Hirte. In den Tälern zogen dichte Nebel hin und her, welche schon teilweise an den Höhen emporstiegen und diese einhüllten. Der Himmel selbst war mit grauen Wolken bedeckt. Um doch noch Einiges zu sehen, machten wir uns schnell auf den Weg und erreichten in dreiviertel Stunden den Gipfel, bevor noch Regenwetter eintrat. Die Besteigung des Gipfels führt auf Schutthalden und Steingerölle, über das Stierengeratsgunder Koblat aufwärts, ist aber, wenn auch der anstrengendere Teil der ganzen Partie, doch mit keinen besonderen Schwierigkeiten verbunden. Auf dem durch ein trigonometrisches Signal bezeichneten schmalen Gipfel angekommen, staunten wir über den rasend steilen Abfall nach vorne in das Retterschwangtal.



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Großer Daumen über Nordwest-Grat von Geröllschleicher





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