Obere Gottesackerwände zum Roßkopf und Plessigkopf  (gelesen 1155 mal)

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Offline Kauk

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Obere Gottesackerwände zum Roßkopf und Plessigkopf
« am: 25. Sep 2016 - 19:11 Uhr »
Gestern hat es dann auch mal wieder gepasst...Wetter und Zeit: also nix wie in die Berge 8).  Nachdem ich das Allgäu in letzter Zeit arg vernachlässigt habe, sollte es mal wieder ein Ziel dort sein. So war es von Vorteil, dass ich mit Roßkopf (1958 m) und Plessigkopf (1384 m) noch zwei bislang unbestiegene und hier im Forum unbeschriebene Gipfel im Repertoire hatte und sich der Ausgangsort in angemessenem Zeitaufwand erreichen lässt. Aber allein wegen unbedeutenden Gipfeln anzureisen kommt natürlich nicht in Frage ;D...also gehts natürlich noch auf die Ober(st)e Gottesackerwand (2033 m). Damit hat man eine stattliche Runde beisammen und nutzt den wunderschönen Tag gut aus ;).

Route: Sibratsgfäll/Grenzbrücke Fugenbach - Hirschgund - Schönbachtal P.963 - Lohmoosalpe - Torscharte - Obere Gottesackerwand - Roßkopf - Löwental - Hinter Hochrubachalpe - Vorder Hochrubachalpe - Südrücken - Plessigkopf - Südrücken - Kesselgunten - Rubachalpe - Hirschgund - Grenzbrücke

Ausgangspunkt ist eine kleine Parkfläche am alten Zollhäuschen bei der Grenzbrücke (956 m), das sich von Sibratsgfäll auf schmaler Straße erreichen lässt. Nach der Brücke ist die Straße auf deutscher Seite für die Weiterfahrt bis zum Hirschgund gesperrt. So wandert man auf der Teerstraße zum Ferienheim Hirschgund und weiter zum beschilderten Abzweig des Wanderwegs im Schönbachtal P.963. Der Schönbach wird mit Hilfe einer sehr rutschigen Baumstamm-Brückenkonstruktion gequert, eine erste Schlüsselstelle, da nicht zwingend vertrauenserweckend ;). Danach gehts im Anschluss steil auf einer Alpwegtrasse im Wald aufwärts, hier ist es vermutlich oft etwas feuchter, aktuell war der Weg vom Viehabtrieb beeinträchtigt. Im Bereich 1300-1400 Meter verlässt man dann den dichten Wald und quert erstmals eine freie Weidefläche, hier helfen Markierungen, der Weg ist nicht unbedingt durchgehend erkennbar. Bereits hier beeindrucken die oberhalb gelegenen Steilabbrüche. Geschickt ist der Wegverlauf an die wenigen gangbaren Durchlässe angepasst, insbesondere der Durchlass von der verfallenen Kessleralpe durch den darüberliegenden Felsriegel. Danach erreicht man endgültig die freien Weideflächen. Wiederum ist der Pfad im Weidegelände nicht gut erkennbar, die Markierungen leiten aber auch hier sicher einen Felsriegel aufwärts und in Kürze erblickt man die prächtige Lage der Lohmoosalpe (1600 m). Zu ihr steigt man hinab, um dann im Hochtal zwischen einer vorgelagerten Wand der Oberen Gottesackerwände und dem Mitteleck nach Osten zu wandern. Im Bereich der verfallenen Hochalpe führen wenig ausgeprägte Spuren mit Markierungen hinauf zum Wanderweg, der vom Mahdtal zum Gottesacker führt. Entgegen des bisherigen Wegverlaufs wird dieser Weg häufig begangen und ist entsprechend ausgeprägt. In Kürze befindet man sich dann in der (Tor)Scharte (1966 m), die Bezeichnung Torkopfscharte auf der Beschilderung ist falsch, diese befindet sich zwischen Torkopf und Mitteleck. Von der Scharte hat man einen wunderbaren Blick auf das Gottesackerplateau, der sonst so markante Hohe Ifen darüber geht sogar fast unter.

Den Blick nach Westen gewendet schaut man auf den weiteren Aufstieg zum höchsten Punkt der Oberen Gottesackerwände (2033 m). Entgegen meinem ersten Besuch hier oben bin ich dieses Mal auf seichten Spuren aus der Scharte direkt am Grat hinauf. Von unten wirkt das abweisend und steil, beim Näherkommen entpuppt sich das brüchige Gestein als gut gestuft und sehr gut gangbar. Oben an der Abbruchkante entlang auf den vorgelagerten Graskopf, von dem es in Kürze zum Hauptgipfel hinübergeht. Die kleine Stufe davor wird an guten Tritten, aber ausgesetzt, in zwei Zügen erklettert (I). Der Gipfel bietet ein tolle und spektakuläre Aussicht und seit gestern ziert ihn ein Steinmann mit Gipfelbuch.

Vom Gipfel steigt man dann in westlicher Richtung auf bröseligen Tritten hinab, nicht ganz so ausgesetzt wie der Aufstieg, aber eher unangenehm. Der weitere Wegverlauf zum Roßkopf wird von der Gratkante vorgegeben, meist bewegt man sich aber sinnvoller Weise eher in der Südflanke. An der Grathöhe warten oft Latschenfelder, dagegen sind unterhalb viele gute Spuren von Tieren, die das Vorankommen deutlich erleichtern. Der Aussicht wegen lohnt es sich aber immer wieder auf die Zwischenköpfe hinaufzusteigen. Eine genaue Wegbeschreibung ist nicht möglich, weiter als 20-30 Höhenmeter sollte man aber nie unter die Gratkante gehen. Dort wo Latschenfeldern nicht ausgewichen werden kann, führen deutliche Gassen hindurch, meist führt eine ausgeprägtere Spur zur Gasse. An einem etwas größeren Latschenfeld wurde die Gasse sogar ausgesägt. Kurz vor der tiefsten Scharte muss am deutlichsten in die Flanke ausgewichen werden. Hier hat sich kleiner Steilabbruch ausgebildet, wer jeglichen Latschenkontakt vermeiden will steigt in das unterhalb liegende Tälchen ab, ich bin auf einer schmalen Trasse oberhalb des Abbruchs geblieben um am Ende mit möglichst wenig Höhenverlust wieder zum Grat zu gelangen. Am Ende wartet dann ein wenige Meter andauernder Latschenkampf. Von der tiefsten Scharte (etwas unter 1920 m) geht es wieder an der Gratkante zum Gipfel, die unteren Felsformationen sind so brüchig, dass ich aus Vorsicht etwas von der Kante in die grasige Rinne ausgewichen bin. Oben dann problemlos auf den breiten Grasgipfel des Roßkopfs (1958 m).

Weiter geht es über einen vorgelagerten Graskopf hinab in die Scharte vor dem Hirscheck bzw. darüberliegend das Hirscheck-Kreuz und ein Wegweiser. Von hier könnte man nun nach Norden in den Hirschgund absteigen und so die Runde etwas verkürzen. Ich bin dagegen nach Süden in die hier noch meist bewachsenen Karstfelder abgestiegen, es leiten Markierungen und seichte Wegspuren ins Löwental/Leutal. Bei ca. 1640 Meter trifft man auf den Weg hinauf ins Gottesackerplateau. Dadurch wird der Weg zunächst nicht unbedingt ausgeprägter, die vorhandenen Markierungen leiten aber weiter hinab. Das Karstgelände mit seinen Rinnen und Mulden führt zu einer etwas verwinkelten Wegführung. Im Bereich der Hinteren Hochrubachalpe erreicht man eine verlandete Fläche, während sich die Alphütte etwas höher nach Süden gelegen befindet, zieht der Wanderweg von der Ebene in den nördlichen Hängen auf einer Quad-Trasse in einem gut 80 Höhenmeter umfassenden Gegenanstieg aus dem Tälchen auf einen weiten Bergrücken. Vorbei an einer Jagdhütte geht es zum Wegweiser, der die Trennung zwischen Güterweg und Wanderweg zur Kesselguntenalpe anzeigt.

Ich bin dem Alpweg zur Vorderen Hochrubachalpe gefolgt, da ich noch auf den Plessigkopf und mir den Gegenanstieg von der Kesselgunten sparen wollte. Dieser Alpweg wurde erst vor kurzer Zeit erneuert und verbreitert. Gemäß der Karte verließ ich den Weg am Sattel, der den Beginn des Südrückens des Plessigkopfs darstellt. Hier geht es dann durch etwas dichteres Unterholz und zu meiner Überraschung treffe ich kurz danach auf einen Forstweg, der in den Karten nicht eingezeichnet und auf GoogleMaps nicht einsehbar ist. Dieser dürfte vielleicht so 2-3 Jahre alt sein. Am Ende des Weges ziehen dann Spuren von Vollerntern weiter in den Wald, genau in meiner Richtung zum Plessigkopf. Die Spuren enden an einem Ansitz und vor einer sumpfigen Ebene. Diese bin ich in Aufstiegsrichtung rechts/östlich umgangen. Im Anschluss geht es im Unterholz hinauf zum Gipfelkamm. Diesen erreicht man genau an seiner Mitte und muss so noch nach Osten zum Gipfel weiter, welcher sich erst oberhalb der Ostabbrüche befindet. Also schlägt man sich auf der Kammhöhe mit Hilfe von Wildwechseln über 2-3 Erhebungen durch, teilweise freie Ausblicke nach Norden. Der Plessigkopf (1384 m) selbst bietet dann keine Aussicht. So ging es auch schnell wieder zurück zum Forstweg und auf ihm hinab zur Rubachalpe (979 m). Von hier ist es noch ein kurzes Stück zur Brücke über den Schönbach (P.924 m), dem tiefsten Punkt der Runde und dann hinauf zum Hirschgund und zurück zum Parkplatz.

Fazit: Eine einsame Tour in teilweise sehr eindrücklicher und wunderschöner Umgebung. Die Impressionen an den Gottesackerwänden und der Blick übers Gottesackerplateau sind einmalig. Während die Gegend aus dem Kleinwalsertal viel besucht wird, dürfte auch in der Sommersaison von Sibratsgfäll her kaum ein Wanderer auf diesen Wegen unterwegs sein. Die Runde hat eine beachtliche Länge von mehr als 22 Kilometern und man überwindet dabei mind. 1400 Höhenmeter. Zumeist bewegt man sich auf Wander- (dann T2-3) oder Forstwegen, lediglich zwischen der Torscharte und dem Roßkopf ist man weglos unterwegs. Dabei ist die Gipfelüberschreitung der Oberen Gottesackerwand ein oberes T4 (mit kurzer Kletterstelle), der Weiterweg zum Roßkopf wieder etwas leichter im unteren T4-Bereich. Den Tourenbericht zu den Gottesackerwänden aus dem Kleinwalsertal gibt es unter diesem Link.
« Letzte Änderung: 25. Sep 2016 - 23:18 Uhr von Kauk »

Offline Kauk

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Re: Obere Gottesackerwände zum Roßkopf und Plessig
« Antwort #1 am: 25. Sep 2016 - 19:24 Uhr »
Restliche Impressionen.

Offline kalle

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Re: Obere Gottesackerwände zum Roßkopf und Plessigkopf
« Antwort #2 am: 26. Sep 2016 - 11:53 Uhr »
Wie immer eine schöne Darstellung der Tour :-L)
Hab es in das Archiv aufgenommen
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